Rheumatoide Arthritis

Was ist rheumatoide Arthritis?

Die rheumatoide Arthritis ist eine systemische, also den ganzen Körper betreffende, Autoimmunerkrankung. Das bedeutet, dass anders als bei einer Arthrose, die auf eine Fehlstellung oder übermäßige Belastung der Gelenke zurückzuführen ist1, körpereigene Abwehrzellen das Gewebe angreifen und schädigen. Wie Sie in der nachfolgenden Abbildung sehen können, ist bei einer rheumatoiden Arthritis die Gelenkinnenhaut davon betroffen. Ihre Funktion besteht normalerweise darin, Gelenkflüssigkeit herzustellen und dadurch die Abnutzung des Knorpels und der Gelenke zu verringern. Liegt eine rheumatoide Arthritis vor, entzündet sich die Gelenkinnenhaut, wodurch sie anschwillt. Die Folgen sind Schmerzen sowie eine fortschreitende Zerstörung bis hin zum kompletten Funktionsverlust der Gelenke.

 

Wie viele Menschen leiden an rheumatoider Arthritis?

 

Die rheumatoide Arthritis betrifft Studien zufolge 0,3 – 1 % der Bevölkerung. Allein in Deutschland sind ungefähr 550.000 Erwachsene erkrankt.4 Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Männer.3 Bei ihnen tritt die rheumatoide Arthritis erstmals zwischen dem 55. und 64. Lebensjahr auf, während Männer im Schnitt zwischen dem 65. und 75. Lebensjahr erkranken.3

Wie entsteht eine rheumatoide Arthritis?

Die Ursachen der rheumatoiden Arthritis sind bisher ungeklärt, aber es gibt einige Risikofaktoren, die die Entstehung der Krankheit begünstigen und ihren Verlauf beeinflussen können. Welche das sind, können Sie der nachfolgenden Abbildung entnehmen:3

Wie äußert sich eine rheumatoide Arthritis?

Der Krankheitsverlauf der rheumatoiden Arthritis unterteilt sich in mehrere Phasen. In der ersten Phase, präklinische rheumatoide Arthritis genannt, zeigen sich zwar noch keine körperlichen Symptome, aber im Blut können bestimmte biologische Marker bereits auf das Risiko einer Entwicklung der rheumatoiden Arthritis hinweisen.5 Im zweiten Stadium, der frühen rheumatoiden Arthritis, treten dann Entzündungen der kleinen Gelenke wie z. B. Fingergrund- und Mittelgelenke auf. Dabei kann es zu kaum erkennbaren Schwellungen kommen, die mit leichten Bewegungseinschränkungen und -schmerzen einhergehen können.5 Findet keine Behandlung statt, schreitet die Krankheit weiter voran. Es kommt zur etablierten rheumatoiden Arthritis. Dabei kommen weitere Symptome wie Morgensteifigkeit, Kraftlosigkeit, wechselnd starke Schmerzen und Rheumaknoten hinzu, die bei 20 % der Betroffenen auftreten.5,6

Wie Sie in der folgenden Abbildung sehen können, kann fast jedes Gelenk betroffen sein. Der Befall der Gelenke folgt dabei im Allgemeinen einem symmetrischen Muster, was bedeutet, dass beispielsweise sowohl das rechte als auch das linke Knie betroffen ist.

Nachfolgend finden Sie eine Übersicht der Symptome im Verlauf der Erkrankung.

Was sind die Folgen von rheumatoider Arthritis?

Findet keine Behandlung der Krankheit statt, schreitet die Entzündung der Gelenkinnenhaut, wie Sie der Abbildung entnehmen können, voran. Es kommt zu einer Schwellung, die den Gelenkknorpel überwächst, schädigt und somit zu dessen Abbau führt. Die Entzündung kann auch auf den Knochen und das Knochenmark übergreifen.6 Dadurch wird der gelenknahe Knochen geschädigt und Osteoporose sowie Knochenerosionen können auftreten. Zusätzlich kann die Entzündung auch auf das Bindegewebe übergehen und Schleimbeutel, Sehnen und Sehnenscheiden zerstören. In der Folge kommt es zu teilweise schwerwiegenden Fehlstellungen, wodurch die betroffenen Gliedmaßen nur noch eingeschränkt funktionieren.5 So schwere Krankheitsverläufe treten jedoch heutzutage, dank moderner Behandlungsmöglichkeiten, nur noch sehr selten auf.5

Wie sieht die Behandlung der rheumatoiden Arthritis aus?

Um bleibende Schäden der Gelenke zu vermeiden sollte die Behandlung der rheumatoiden Arthritis möglichst früh begonnen werden. Die Therapie besteht aus mehreren Teilen, die darauf abzielen die Entzündung zu hemmen und die Funktion der Gelenke so lange wie möglich zu erhalten. Dazu zählen:

  • Individuell angepasste Krankengymnastik, Ergotherapie und / oder Kältetherapie
  • Medikamentöse Behandlung der rheumatoiden Arthritis mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden sowie krankheitsmodifizierenden Arzneimitteln
  • Als letzte Möglichkeit: eine Operation, z.B. Ersatz der zerstörten Gelenke

Dank moderner Behandlungsmethoden kann heutzutage das Voranschreiten der Krankheit deutlich verlangsamt und bestenfalls sogar zum Stillstand gebracht werden.

Behandlung akuter Symptome

Um die Arthritis-Symptomatik erträglicher zu machen, können nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac, Coxibe oder Ibuprofen eingenommen werden. NSAR sind in der Regel nicht-verschreibungspflichtige Schmerzmittel, die nicht nur die Schmerzen lindern, sondern gleichzeitig auch entzündungshemmende Eigenschaften besitzen. Eine besonders schnelle symptomatische Verbesserung kann mit Glucocorticoiden (Kortison) erzielt werden, weshalb sie in der Behandlung der Rheumatoiden Arthritis oft eingesetzt werden, um die Zeit bis zum Wirkeintritt der DMARDs zu überbrücken.3 Mit Hilfe von NASR oder Kortison können zwar die Krankheitsanzeichen gelindert werden, sie nehmen jedoch keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf.

Therapien mit krankheits­modifizierenden Arzneimitteln

Um den Krankheitsfortschritt der rheumatoiden Arthritis zu verlangsamen oder sogar ganz zum Stillstand zu bringen, gibt es die sog. Standardtherapie. Dabei kommen krankheitsmodifizierende Arzneimittel (disease modifying drugs, DMARD) zum Einsatz, die die Erkrankung zwar nicht heilen, aber ihren Verlauf beeinflussen können und entzündungshemmenden Eigenschaften besitzen.8 Die wichtigsten DMARDs sind bspw. Methotrexat, Leflunomid, Sulfasalazin oder Chloroquin. DMARDs werden in der Regel dauerhaft und nicht nur bei momentanen Beschwerden angewendet. Bei manchen Menschen reichen die klassischen Arzneimittel nicht aus, um die Entzündung unter Kontrolle zu bringen. Dann kann eine Behandlung mit Biologika oder deren Biosimilars weiterhelfen.

Referenzen:

  1. https://www.rheumaliga.ch/rheuma-von-a-z/arthrose (letzter Abruf: 31.03.2021)
  2. https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/rheumatische-erkrankungen/was-ist-eine-rheumatoide-arthritis-735441.html (Letzter Abruf 19.05.2021)
  3. Schneider M, Baseler G, Funken O et al. Interdisziplinäre Leitlinie: Management der frühen rheumatoiden Arthritis 2019; https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/060-002.html (letzter Abruf 31.03.2021)
  4. https://dgrh.de/Start/DGRh/Presse/Daten-und-Fakten/Rheuma-in-Zahlen.html (letzter Abruf: 31.03.2021)
  5. Smolen JS, Aletaha D, Barton A et al. Rheumatoid arthritis. Nat Rev Dis Primers 2018; 4:18001.
  6. https://www.leading-medicine-guide.de/erkrankungen/muskel-knochen/polyarthritis (letzter Abruf: 31.03.2021)
  7. https://www.gesundheitsinformation.de/rheumatoide-arthritis.html (Letzter Abruf 19.05.2021)
  8. Fiehn C, Holle J, Iking-Konert C et al. S2e-Leitlinie: Therapie der rheumatoiden Arthritis mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten. Z Rheumatol 2018; 77(Suppl 2):35–53.

ZINC: DE-AMB-0321-00036